Der Elektromotor läuft nicht an – Diagnose-Tipps vom Experten

Günter Pauli GmbHElektromotoren Know-how

Elektromotor läuft nicht an

Von der Gastronomie-Dunstabzugshaube bis zum Hochdruckreiniger, von der Kreissäge bis zum Gabelstapler – eine Vielzahl von Geräten im professionellen Einsatz wird von Elektromotoren angetrieben. In der Regel betätigen wir einen Schalter, arbeiten mit dem Gerät und machen uns keine Gedanken über den Motor. Erst wenn wir eines Tages beim Druck auf den Einschalter feststellen, der Elektromotor läuft nicht an, merken wir, wie abhängig wir davon sind, dass die Elektromotoren funktionieren.

Was tun, wenn der Motor streikt? Erstmal nachschauen!

Der Elektromotor läuft nicht an? Statt direkt den kompletten Motor auszutauschen, lohnt es sich häufig, erst einmal nach der Ursache zu forschen, warum der Elektromotor nicht anläuft. Häufig liegt das Problem gar nicht am Motor selbst sondern an der vorgeschalteten Anlage.

Nehmen wir als Beispiel den Rasenmäher. Wenn der Rasenmäher während des Betriebs plötzlich stehen bleibt, prüfen wir zuerst die Zuleitung und die Steckvorrichtungen auf festen Sitz. Fast jeder Motor besitzt einen Überlastschutz, der bei Überlastung (zum Beispiel, wenn der Rasen zu hoch ist) den Motor vor Überhitzung schützt. Gönnen wir dem Motor eine Ruhephase von 10 bis 15 Minuten und prüfen danach noch einmal auf Funktion.

Bringt dies keinen Erfolg, gilt es im nächsten Schritt, die Sicherung zu prüfen, bzw. eine andere Steckdose mit einem anderen Stromkreis zu probieren. Läuft? Nein? Dann tauschen wir als nächstes das Zuleitungskabel. Auch wenn der Motor danach läuft, bitte Folgendes beachten:

Eine gründliche Reinigung wirkt oftmals Wunder

Dass Arbeitswerkzeuge dreckig werden, gehört natürlich zum normalen Betrieb. Gelangen allerdings besonders grobe, klebrige oder ölige Substanzen ins Innere der Maschine, kann das zu schweren Schäden führen. Gleiches gilt für besonders feine Stäube, die durch Öffnungen in das Innere des Elektromotors eindringen können. Sind solche Verschmutzungen bereits von außen insbesondere im Bereich der Öffnungen des Motors gut zu erkennen, steht wahrscheinlich mindestens eine gründliche Reinigung des Antriebs bevor. Es besteht außerdem die Gefahr, dass es bereits zu ernsteren Schäden gekommen ist, etwa durch einen Kurzschluss.

Sichtprüfung von außen: Gebrochene Montierungen, dunkle Stellen, starke Verschmutzung, verstopfte Lüfter

In Werkzeugen und Maschinen sind Elektromotoren meist an vorgegebenen Stellen fest mit dem Gehäuse und den übrigen Bauteilen verbunden, zum Beispiel durch Verschraubungen. Mechanische Beanspruchung kann dazu führen, dass solche Halterungen ausschlagen oder gar brechen. Die Folge kann sein, dass sich Teile der Maschine verklemmen und zum Beispiel die Antriebswelle nicht mehr gängig ist. Der erste Blick gilt also der Montage.

Gibt es verbogene oder gebrochene Schrauben oder Halterungen? Sitzt der ganze Motor eventuell schief im Gehäuse? Ist das der Fall, hilft vielleicht schon eine neue Verschraubung oder eine von einem Fachmann neu verschweißte Halterung, um den Schaden zu beheben.

Des Weiteren sollte geschaut werden, ob es dunkle Verfärbungen auf dem Gehäuse im Bereich der Mitte des Motors gibt. Die Verfärbungen können sowohl in der Lackierung als auch im Metall auftreten und sind ein Hinweis auf große Hitzeentwicklung. Dies deutet möglicherweise auf einen größeren Defekt im Motor hin.

Gerade bei vollverkapselten und lüftergekühlten Motoren kann Schmutz schnell zu einem Problem werden. Von außen sind die Abdeckungen des Lüfters als Metallgitter gut zu erkennen. Sind diese mit Schmutz, Öl oder Staub verstopft oder verklebt, kann das zum Überhitzen des Motors führen. Die Lüftergitter (am besten regelmäßig) zu reinigen, kann Abhilfe schaffen, wenn der Elektromotor durch Verschmutzung am drehenden Lüfterrad verklebt und somit nicht anläuft.

Alle Daten auf einen Blick – das Typenschild

Es ist durchaus sinnvoll, sich das Typenschild des Motors anzuschauen. Alle wichtigen Daten sind dort in der Regel auf einen Blick zu finden – wichtig, wenn Ersatzteile oder gar ein Ersatzmotor benötigt werden. Der Name des Herstellers und die Modell- und Seriennummer machen es möglich, im Internet nach der entsprechenden Dokumentation des Motors zu suchen. Konkrete Konstruktions- oder Schaltpläne des Herstellers, die oft zum Download bereitgestellt werden, können hilfreich sein.

Oft sind auf dem Typenschild des Elektromotors auch Angaben zur richtigen Montage vermerkt – sieht das im Gerät deutlich anders aus, hat man den Fehler unter Umständen bereits gefunden. Schaltpläne mit Angaben für Verdrahtungen bei unterschiedlichen Drehzahlen, Spannungen oder Anwendungen können ebenfalls hilfreich sein. Ferner finden sich auf dem Typenschild in der Regel die Normangaben zu Spannung und Strom, die für die entsprechende Prüfung mit Messgeräten notiert werden sollten.

Zudem ist es schon vor dem Öffnen wichtig zu schauen, welche Gehäuseart vorliegt. Ein offenes Gehäuse ist empfindlicher für Verschmutzungen, aber leichter zu öffnen. Tropfwassergeschützte oder gar vollverkapselte Gehäuse sind zwar deutlich resistenter gegen eindringende Nässe oder Schmutz – dafür muss beim Öffnen darauf geachtet werden, vorhandene Dichtungen nicht zu beschädigen. Mitunter können vollverkapselte Elemente nur komplett ausgetauscht werden.

Achtung!
Die nachfolgenden Arbeiten dürfen auf keinen Fall von Laien durchgeführt werden.

Defekter Kondensator – wenn der Fehler außerhalb des Motors liegt

Bei einem Ein-Phasen Wechselstrommotor mit Kurzschlussläufer kann es unter Umständen schon helfen, ein eher günstiges Teil wie den Anlauf- oder Betriebskondensator zu ersetzen, damit der Motor wieder läuft. Ein Defekt kann allerdings viele verschiedene Ursachen haben.

Kondensatoren können Energie speichern und gerichtet abgeben – und sie gelten im Motor als Verschleißteile. Sind sie kaputt, hat das unter Umständen zur Folge, dass der Elektromotor nicht mehr anläuft. Kondensatoren gehören zu den günstigeren Ersatzteilen und sind relativ häufig Ursache für Probleme mit Elektromotoren.

Meistens sind sie außen am Motor angebracht, etwa in einem eigenen Kasten mit einer Metallabdeckung. Sind am Behälter deutliche Beulen, im Inneren Öllachen oder Schmutz zu erkennen oder ist der Kondensator dunkel verfärbt, sind das Anzeichen für mögliche Schäden an dieser Stelle.

Vorsicht bei der Arbeit am Kondensator!

Beim Hantieren mit Kondensatoren ist äußerste Vorsicht angebracht. Da es sich um physikalische passive Energiespeicher handelt, können sie auch geladen sein, wenn das gesamte Gerät vom Netz getrennt ist. Der elektrische Schlag aus einem geladenen Kondensator, sei das Bauteil noch so handlich, kann den aus einer Steckdose an Intensität weit übertreffen und tödlich sein.

Betriebs- oder Anlaufkondensator – was ist der Unterschied?

Viele Elektromotoren sind mit Betriebskondensatoren ausgerüstet, die dafür sorgen, dass der Motor startet, in die richtige Richtung dreht und seine Kraft gleichmäßig entwickelt. Einige besonders starke, schwer in Gang zu bringende Motoren besitzen zusätzlich noch einen sogenannten Anlaufkondensator. Dieser kommt zum Beispiel bei Kompressoren oder schweren Maschinen wie Bodenschleifgeräten zum Einsatz. Der Anlaufkondensator ist im Unterschied zum Betriebskondensator nur beim Anlassen des Motors aktiv und wird anschließend automatisch vom Netz getrennt.

Anzeichen für einen defekten Betriebskondensator

Es gibt eine Reihe von Anzeichen dafür, dass ein Betriebskondensator defekt ist. Indizien können zum Beispiel sein, dass der Motor nur brummt und zuckt, dass er nur sehr zäh oder in die falsche Richtung anläuft. Läuft der Elektromotor nicht wie gewohnt an, weil der Kondensator defekt ist, lässt der Motor sich häufig per Hand in jede Richtung anwerfen. Das heißt, nach Anwerfen der Welle läuft der Motor von allein.

Generell sollten Maschinen besser nicht von Hand angeworfen werden. Dies gilt vor allem für scharfe Bauteile wie Sägeblätter oder die Messer von Rasenmähern. Denn wenn der Motor nach dem Anwerfen von Hand startet, sind die Finger mit großer Wahrscheinlichkeit noch im Arbeitsbereich der Schneiden. Es versteht sich von selbst, dass hier schlimmste Verletzungen die Folge sein können.

Mit den richtigen Messgeräten ist es prinzipiell möglich, Kondensatoren durchzumessen. Da es sich bei einem Kondensator um einen Energiespeicher handelt, der potenziell geladen ist, besteht durchaus die Gefahr, dass die Elektronik der Messgeräte beschädigt wird. Wer auf Nummer Sicher gehen will, überlässt die Prüfung daher einer ausgebildeten Fachkraft.

Soll der Kondensator ausgetauscht werden? Dann stehen alle wichtigen Angaben,  die für einen adäquaten Ersatz nötig sind, auf dem Kondensator selbst. Das sind die Kapazität, in der Regel in µF (Mikrofarad), die Betriebsart (DB für Dauerbetrieb bei Betriebs-, AB für Aussetzbetrieb bei Anlaufkondensatoren) und die Nennspannung in Volt (V).

Bei Motoren mit Anlaufkondensator den Fliehkraftschalter prüfen

Größere Geräte wie Kompressoren, die neben dem Betriebskondensator zusätzlich einen Anlaufkondensator besitzen, verfügen im hinteren Lagerschild in der Regel über einen Fliehkraftschalter. Dieser trennt den Anlaufkondensator vom Netz, sobald der Motor eine bestimmte Drehzahl erreicht hat. Fett, Schmutz oder übermäßige Hitze können den Schalter beschädigen oder gar verschmelzen lassen. An dieser Stelle kann man überprüfen, ob sich der Schaltmechanismus frei bewegen lässt. Tut er das nicht, kann dies der Grund dafür sein, dass der Elektromotor nicht läuft.

Ein Blick ins Innere – die Lager des Elektromotors

An beiden Enden des Elektromotors befinden sich die Lager der zentralen Antriebsachse. Häufig klemmt es im wahrsten Sinne des Wortes an dieser Stelle. Kann sich die Achse (Läufer) nicht frei im Rahmen des Motorgehäuses drehen, dann läuft eben auch nichts rund. Verschiedene Arten von Lagern aus unterschiedlichen Materialien wie Stahl oder Messing werden verbaut. Die Lager, die keine Dauerschmierung besitzen, müssen unter Umständen manuell im Rahmen einer Wartung geschmiert werden.

Auch ein Laie kann am Motor testen, ob die Lager frei beweglich sind. Dazu dreht man die Antriebswelle oder den Rotor von Hand und fühlt, ob sich das Ganze schwer bewegen lässt. Außerdem horcht man, ob es im Bereich der Lager knirscht oder schabt. Wenn ein Rotor eiert oder Unwuchten zeigt, kann das ebenfalls ein Hinweis auf ein Problem an den Lagern sein. Er sollte im Idealfall leise, gleichmäßig und frei zu bewegen sein.

Außerdem kann man prüfen, wie viel Spiel die Welle im Motor hat. In axialer Richtung kann es bis zu 1mm sein. In vertikaler Richtung sollten es aber nicht mehr als 0,02mm sein. Bei Abweichungen kann das ein Hinweis auf ein gebrochenes Teil, auf defekte Lager oder auf ausgeschlagene Lagersitze sein.

Nicht zuletzt kann im hinteren Bereich des Motors geprüft werden, ob ein eventuell vorhandener Lüfter rund läuft. Tut er das nicht, kann der Motor überhitzen oder sogar durchbrennen.

An dieser Stelle noch einmal der Hinweis, dass alles nur im spannungsfreien Zustand geprüft werden darf. Außerdem ist zu beachten, dass z.B. bei Rasenmähern eine Bremse eingebaut ist, die das Prüfen der Lager durch freies Drehen nicht zulässt.

Ein Blick auf die Wicklungen

Zu den wichtigsten Elementen in einem Elektromotor gehören die Kupferwicklungen, durch die der antreibende Strom fließt. Bei der Sichtprüfung kann man bereits erkennen, ob es unter Umständen durch Schmutz Kontakt mit dem Gehäuse des Motors gibt. Ein Kurzschluss wäre dann programmiert. Die Folge auch hier: der Elektromotor läuft nicht an und die Sicherung löst aus. Ein anderes mögliches Problem ist, dass Teile der Wicklung verbrannt sind oder durch mechanische oder thermische Beschädigung nicht mehr geschlossen im Stromkreis liegen. Aufschluss darüber gibt eine Messung mit einem speziellen Messgerät. Aber auch optische Anzeichen wie etwa deutliche Schwärzung oder mechanische Beschädigung können dafür sprechen.

Hitze und Gestank sind keine guten Zeichen

In manchen Fällen lässt sich ein Elektromotor, der nicht mehr anläuft, aber auch schlicht nicht mehr mit vertretbarem Aufwand reparieren. Wird der Motor übermäßig heiß, qualmt er oder stinkt nach verschmortem Metall und Plastik, ist wahrscheinlich nicht mehr viel zu machen. Dann ist das Gerät mit ziemlicher Sicherheit irreparabel kaputt und muss insgesamt ausgetauscht werden.

Der Elektromotor läuft nicht an – im Zweifel hilft der Fachmann

Der Elektromotor läuft nicht an und Sie haben trotz unserer Diagnose-Tipps keinen Fehler gefunden? Dann hilft nur noch eins – der Weg zum Fachmann oder der Austausch des gesamten Motors. Ob eine Reparatur lohnt, ist häufig von der Größe des Elektromotors abhängig. Für Elektromotoren in Industrieanlagen sind spezialisierte Dienstleister für Industrieservice der erste Ansprechpartner. Die Günter Pauli GmbH aus Dortmund löst Probleme mit defekten Industrieanlagen kompetent und schnell. Wir bieten unseren Service in weiten Teilen von NRW an. Nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Liegt bei kleineren Elektromotoren ein Fehler vor, der sich nur schwer diagnostizieren lässt, kann der Austausch des Motors die kostengünstigere Lösung sein. Elektromotoren beinahe aller Art finden Sie auch im Netz im Elektromotoren Shop Ihrer Wahl.

Langfristig Kosten sparen mit professioneller Instandhaltung

Gut gewartete Motoren tragen entscheidend dazu bei, Störungen in Industrieanlagen zu vermeiden. Die Günter Pauli GmbH aus Dortmund ist spezialisiert auf Industrieservice, Elektromotoren und Steuerungstecnnik. Wir bieten unsere Dienstleistungen in weiten Teilen von NRW an. Auf unserer Seite Industrieservice stellen wir Ihnen unsere gesamte Angebotspalette vor. Wenn Sie mögen, nehmen Sie doch direkt Kontakt zu uns auf. Wir beraten Sie gerne!

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